Loading color scheme

Wenn man es recht betrachtet, ist der Herbst doch eine schöne Jahreszeit: Die Bäume in prachtvollen Farben, Apfelbäume voll leuchtender Früchte, Sonne, die durch den Frühnebel dringt. Wer Augen hat zu sehen, der kann dem Herbst manche gute Seite abgewinnen. Und wenn dann noch die Sonne des Altweibersommers scheint! Der Herbst ist nicht die schlechteste Jahreszeit, um sich an der Schöpfung zu freuen.
Und wer nicht glaubt, dass es das alles nur zufällig gibt (und was spräche schon dafür?), der kann auch in das dankbare Staunen des Psalmbeters mit einstimmen: Herr, wie sind deine Werke so groß und so viel! Du hast sie alle weise geordnet, und die Welt ist voll deiner Güter. Allerdings ist der Herbst auch die Jahreszeit, in der nicht nur die fallenden Blätter uns an unsere eigene Vergänglichkeit erinnern. Auch Gedenktage, wie Volkstrauertag und Ewigkeitssonntag geben dem Herbst am Ende ein ernstes Gepräge. „Alles vergeht!“ – das ist auch eine Botschaft des Herbstes. Auch unser Leben ist begrenzt. Darum ist es gut, das Leben nicht auf später zu verschieben. Das wahre Leben beginnt nicht erst mit dem Sechser im Lotto, nicht erst mit dem Märchenprinzen, nicht erst, wenn dieses oder jenes geschafft und erreicht ist. Es lohnt sich, schon jetzt zu leben. Denn man kann das Wunderbare auch im ganz normalen Leben entdecken. Es kommt nur auf den Blickwinkel an. Ich bin da, ich atme, ich lebe – das kann ein wunderbarer Grund sein zu dankbarem Staunen auch gegenüber Gott. Wer das nicht verlernt hat, oder neu lernt, dem fällt es auch leichter, Gott sein Leid zu klagen, vielleicht sogar einmal mit ihm zu schimpfen. (In den Psalmen gibt es manche Gebete, die in dieser Hinsicht kein Blatt vor den Mund nehmen.) Denn ich habe es nicht mit einem namenlosen Schicksal zu tun, sondern mit dem Gott, der diese Welt und mich selbst geschaffen hat und der mich liebt. Und das vergeht nicht, weder im Herbst des Jahres noch im Herbst des Lebens. Paul Gerhardt hat es im Lied „die güldene Sonne“ so ausgedrückt:

Alles vergehet, Gott aber stehet
ohn’ alles Wanken, seine Gedanken,
sein Wort und Wille hat ewigen Grund.
Sein Heil und Gnaden, die nehmen nicht Schaden,
heilen im Herzen die tödlichen Schmerzen,
halten uns zeitlich und ewig gesund.
Einen schönen Herbst wünscht Ihnen 

Ihr Pastor Eckhard Teismann